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Ein Reiseblog zur Dokumentation der äthiopischen Eindrücke von Edith&Edith...

Für alle die noch zweifeln:


Hier die 10 besten Gründe nach Äthiopien zu fahren:

1) Das Land hat auf relativ kurzer Distanz eine unglaublich Vielfalt an Landschaften, Ethnien und Kulturen, Flora und Fauna zu bieten. Es ist, als würde man von einem Paradies in nächste abheben.

2) Äthiopien hat viele interessante, exotische und historisch wichtige (UNESCO Weltkulturerbe) Sehenswürdigkeiten zu bieten.

3) Es gibt ausreichende touristische Infrastruktur im Land, dennoch trifft man andere Touristen eher selten. Die wenigen, die das Land bereisen, verteilen sich überraschender Weise (die allermeisten folgen dem Historical Circuit) doch recht gut. Das wird sich aber rasend schnell ändern...

4) Das Essen in Äthiopien ist ausgezeichnet, relativ abwechsungsreich (v.a. wenn man nicht Vegetarierin ist) und GESUND! Hier trieft nicht alles vor Fett, so wie in vielen anderen Ländern. Wir beide haben uns täglich zwei mal den Bauch berstend voll geschlagen und trotzdem abgenommen !

5) Die Menschen sind extrem offen und entgegenkommend. Jeder ist bemüht, Farenjis weiter zu helfen, man ist nie allein (hat auch Vorteile!). Wir konnten in keinster WEise Ressentiments gegenüber Weißen feststellen.

6) Die Kriminalität ist sehr gering. V.a. handelt es sich, wenn es zu einem Diebstahl kommt, ausschließlich um Trickdiebe, nie um gewalttätige Überfälle. Offene Gewalt ist überhaupt Tabu.

7) Es gibt Souvenirs in Hülle und Fülle (das ist nicht selbstverständlich, fahrt mal nach Armenien!), Kaffee, Stoffe,  Korbwaren, Töpferwaren...

8) Auch das sollte natürlich nicht der Hauptgrund sein, ein Land zu bereisen, ist aber doch für manche wichtig: Äthiopien ist billig. Eine warme Mahlzeit im Restaurant kostet 1 €, eine Nacht in einem normalen Hotel für zwei Personen 8 € (4 pro Kopf), 100 km im Bus 1,50 €. Nur als Größenordnung.
Als Ausgleich ist es dafür löblich, erwachsenen (!) Bettlern zu geben und immer wieder Dienstleistungen der Einheimischen anzunehmen. Wo möglich: nicht bei Tour Operators buchen, sondern das Geld bei den Einheimischen lassen.

9) Die Temperaturen sind durch die Höhe des Landes sehr angenehm. Je nach Jahreszeit wird es nie kälter als 10° C und nie heißer als 30° C.
(Ausnahme: natürlich die Danakil-Senke und alle Wüstengebiete Richtung Somalia.)

10) Der beste Grund ist aber: Äthiopien eine Chance zu geben. Das Land wird völlig zu Unrecht (wie viele afrikanischen Länder) abgeurteilt als (nur) arm, hungernd, unterentwickelt, trocken, von Katastrophen ausgezehrt. Äthiopien hat so viel zu bieten, genauso wie seine Menschen!
Und das ist es doch wert anzusehen!

"If you have no shoes, you have strong feet"


Dieser Satz, den Tagel aus Awasa so nebenbei als Kommentar zur Situation der Armen fallen ließ, trifft nicht nur auf das Leben der ÄthiopierInnen zu, sondern auch auf unsere Reise, die nun eine gute Woche hinter uns liegt. Kaum etwas lief wie geplant, doch was sich stattdessen ergab, erschien uns - vor allem jetzt, mit einigem Abstand - viel wertvoller.


Zwar hatten wir keine bestimmte Reiseplanung - doch das war auch gut so, denn wir schafften es in so vielen Fällen nur mit Müh und Not und Glück, wenigstens unser nächstes Tagesziel zu erreichen. Buspannen, ungeplante Aufenthalte, "Anschlüsse" verpasst...

Und doch sind es genau diese mühsamen Reiseetappen, die langen Aufenthalte, die uns ermöglichten, mit Menschen in Kontakt zu kommen,  unbeobachtet kleine Alltagsszenen zu beobachten,  Zusammenhänge sowie "DO's"  und  "DON'Ts"  über Land und Menschen in Erfahrung zu bringen.

Alles hat zwei Seiten - oder auf äthiopisch:  If  you have no shoes, you have strong feet.


Aus diesen verkehrstechnischen und (bereits erwähnten) sozialen Gründen (als Frau ständig angesprochen werden, keine Minute alleine sein, immer beobachtet werden...) war es extrem anstrengend, so viel unterwegs zu sein. Immer wieder sehnten wir uns nach einer Pause, einer Auszeit, einer Möglichkeit zu lesen, unsere Erlebnisse Revue passieren zu lassen - doch ist nicht jede Minute wertvoll? In Hotels mit unterwürfigen, zurückhaltenden Angestellten und zahlreichen Touristen (die wie's oft scheint, sich in diesem Land nicht anders verhalten als zuhause) kann man sich verschanzen. Aber nicht das erleben, was für uns das Ziel der Reise war: Äthiopien so intensiv als möglich zu erleben. Und das ist uns gelungen.



Ciao and Amasegnalo


Dies ist vermutlich (wir haben den morgigen Flug nicht bestaetigen lassen) der letzte Eintrag aus diesem wunderbaren Land, denn morgen 8.00 heisst es auf gut aethiopisch "Ciao".


Wir sind seit gestern abend zurueck in der Hauptstadt und haben den Tag heute mit Sightseeing und Shoppen verbracht. Addis ist wirklich eine schoene, interessante, bunte, lebhafte und moderne Stadt!

Die zwei Tage zuvor verbrachten wir in Awasa, der Hauptstadt des Suedens. Und wieder einmal (wie so oft auf dieser Reise) kam alles ganz anders als geplant. Aus einem Danke-Bier mit dem Studenten Tagel (der uns am Tag davor bei der Bus-Umsteigerei sehr geholfen hatte) wurden naemlich zwei intensive Tage mit ihm und seinen Freunden, die uns ihr Land nun von einheimischer Seite zeigten.

Tagel stellte uns die Stadt vor, half bei Erledigungen (z.B. Teff, das man fuer Ndscheerea braucht und fuer Touristen gar nciht so einfach zu bekommen ist), zeigte uns geniale einheimische Restaurants (eine geniale "best of" FAsten-Ndscheera fuer 0,30 Euro), fuehrte uns auf einen Aussichtsberg und schliesslich noch eine wirklich "local" Gaststube, wo wir abends bei ein paar Bier noch seine Freunde kennen lernten.

Dieser Abend war besonders interessant und auch schoen, erstens, weil wir endlich Gelegenheit hatten, viele Fragen zu stellen und diese auch beantwortet bekamen und zweitens, weil die Tatsache, dass wir Frauen sind (was das Miteinander in diesem Land sehr praegt) beinahe keine Rolle spielte. Wir waren einfach mit ein paar Kumpel auf ein paar Bier, unterhielten uns auf amharisch-englisch und wurden wie Freunde aufgenommen. Das einzige Versprechen, das wir abgeben mussten: Den Menschen in Europa erzaehlen, wie schoen dieses Land, wie freundlcih seine Menschen sind, und wie friedliebend Aethiopien ist. ...Womit wir ins Politisieren kamen...

Als die Runde immer besoffener wurde, kuendigten wir an, heim zu gehen und wurden prompt in einem governmental 4WD bis vor unseren Bungalow gebracht. (Das einzige Problem war hier, dass es in Aethiopien keine Alk-Limits fuer Lenker gibt, aber es waren nur noch Hunde auf der Strasse, und die erfreuen sich noch alle bester Gesundheit - sofern man das von Streunern sagen kann.)


Am Morgen darauf holte uns der selbe Wagen an der selben Stelle ab und brachte uns zu unserem Bus nach Addis, es folgte eine lange freundschaftliche Verabschiedung und wir dachten uns einfach nur... unglaublich!

Diese beiden Tage waren quasi das Rufezeichen hinter den intensiven, wunderbaren Erlebnissen in diesem Land, es tat gut, Aethiopien auch ein mal einige Stunden mit den Augen Einheimischer sehen zu koennen.

Was bleibt, ist (auch ohne unser Versprechen) ein Lob auf dieses Land und seine Menschen. Es ist auf jeden Fall (nicht nur) eine Reise wert, und zwei Wochen sind, wie wir schon vermutet hatten viel zu kurz. Trotzdem war es wunder bar und wir sagen zum Abschied "Amasegnalo" (Danke!).

Gluecklich...


...sind wir gestern spaetabends in Awasa gelandet. Danach sah es aber vormittags noch gar nicht aus, denn als wir an den Busbahnhof kamen, war unser Bus 4 Stunden zuvor bereits abgefahren. Beschwichtigt und beschuetzt durch einen netten Polizisten, der uns in seiner Vaterrolle unter die Fittiche nahm sassen wir weitere drei Stunden am Busbahnhof (zugegeben: manchmal der Verzweiflung nahe, aber immer von Exekutivorgan wie ein Hund seinen Knochen vor "cheaters" verteidigt und bewacht).

Schlussendlich trug er uns fast bildlich auf Haenden in den Bus (an der Schlange der wartenden Einheimischen vorbei) in den Bus nach Sodo, das ungefaehr auf halber Strecke nach Awasa, unserem Zielort liegt.

Die Busfahrt moechten wir euch im Detail ersparen, nur so viel: NICHT GEFAEHRLICH! aber laaaaeeehmend. In Sodo weiederholte sich das Spielchen, wieder wurden wir der einheimischen Warteschlange vorgereiht und kamen schliesslich um 8 Uhr abends (zwei Stunden nach Daemmerung) im Hotel in Awasa an, Dank gebuehrt hier dem Studenten Tagel, der uns diesmal unter die Fittiche nahm (ohne Heiratsangebot und Tourofferte).


 

Und da sind wir jetzt, gluecklich, in einem kleinen Bungalow (zwar dreimal so teuer: 12 Euro statt 2 Euro pro Nacht) und dumgeben von lustigen frechen Aeffchen, die uns unsere Fruehstuecksmango streitig machen.

Jetzt heisst's nur mehr: Chill out... Denn wir werden hier nicht mehr weg gehen, bis wir nach Addis muessen und euch dann endlich erzaehlen koennen, was sich hier WIRKLICH zugetragen hat ;)

An den 40 Quellen


Wir sind gestern bequem, schuettel- und stressfrei hier in Arba Minch (zu deutsch: 40 Quellen) angekommen und geniessen momentan einfach nur die Ruhe und die paradiesische Umgebung.

Hier wird man um halb sechs, eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang, von hunderten verschiedenen Vogelstimmen geweckt (heute prasselte zusaetzlich auch noch der Regen aufs Blechdach) und kann gemuetlich seine Runden durch den oberen Teil des Dorfes, entlang roter Lehmstrassen und durch Bougainvilleen-umrankte Gaerten spazieren (und wird nicht mehr so oft angeqatscht und belaestigt). Es ist hier weniger touristisch, aber dennoch (oder gerade deshalb) die Reise wert: Vom Dorf aus, das an einem Hang gelegen ist, ueberblickt man das Rift Valley, mit den beiden rieseigen roten Seen Chamo und Abaya. Rundherum NationalParks und viele wilde Tiere (v.a. Krokodile) die wir eigentlich gar nicht treffen moechten...

Auch Mangos sind hier zusaetzlich zu den Papayas, Guaven, Avocados und Bananen schon reif. Ein Paradies...


 

Hier werden wir uns ein wenig ausrasten und uns langsam (ohne Minibus-Tortur-Fahrt) durch das RiftValley nach Norden in Richtung Addis Abeba zurueckarbeiten. Freitag wollen wir wieder in der Stadt sein, und uns auch fuer die "Bluete" (addis) des Landes ein wenig Zeit nehmen.

Am Limit


Wie soll man einen solchen Tag wie heute, eine Reise von Bahir Dar nach Addis, eine 13stuendige Minibusfahrt... nur annaehernd beschreiben?

1) Es begann um 3 Uhr morgens, als uns - wie man uns an der Rezeption versicherte - der Lenker unseres Minibussses nach Addis aufwecken und mitnehmen sollte. 3 Uhr, kein Klopfen, keine Stimmen, nichts. Wir packen in einer boesen Vorahnung dennoch und erwischen den Bus an der Strasse vorm Hotel kurz bevor dieser abgefahren waere...

2) Nach zwei Stunden Schlaf und vertraeumten Blicken in die fantastische Landschaft im Sonnenaufgang gehts zur Fruehstueckspause, bei der unser Lenker verhaftet wird. Er haette vor ein paar Tagen eine Kuh niedergefahren und die Strafe nicht bezahlt. Eineinhalb Stunden Aufentahlt aller Insassen vor dem Polizeiposten.

3) Unser wieder freigelassener Lenker rasst voller Aggressionen auf schlechten Strassen der verlorenen Zeit nach.

4) Die wunderbare Nilschlucht: In Kehren geht es erst 1000 Hoehenmeter abwaerts und an der anderen Seite der SChlucht wieder aufwaerts. Das Problem ist nur: Kein Asphalt, abgebrochene Strassenteile, Schlagloecher. Wir brauchen zur Ueberquerung eineinhalb Stunden.  

5) Wir passieren schweigend einen verunglueckten, umgekippten Minibus am Strassenrand.

6) Wir passieren eine totgefahrene Kuh mitten auf der Strasse.

7) Wir passieren noch einen bverunglueckten Minibus.

8) Nach Stunden FAhrt und in Unkenntnis der Strecke hoffen wir, dehydriert und verstaubt, nur noch auf ein baldiges Ende dieser Horrortour.

9) Die Frau am Sitz vor uns uebergibt sich in einen vorbereiteten Platiksack - zum wiederholten Male.

10) Der junge Mann am Nebensitz beginnt zu grabschen.

11) Wir passieren ein Verkehrsopfer: Eine Frau, umringt von einer Menge Menschen liegt tot oder sehr bewusstlos auf  der anderen Fahrspur.

12) Ich habe vergessen, die mindestens fuenf ausfuehrlichen Polizeikontrollen und Durchsuchungen des Minibusses zu erwaehnen. Leibesvisitation nur an den weissen Touristinnen.

13) und und und....

14) Nach 13 Stunden FAhrt, Rueckenschmerzen, kurzfristigem (aber durch Bier reparierten) Frust fallen wir nun totmuede ins Bett.

 

Ach ja, ein Ticket haben wir uns auf diese FAhrt hin gegoennt. Morgen gehts mit Ethiopian Airlines nach Arba Minch in den Sueden. Zum erholen, weit weg von der Strasse...



                                 Unser Minibus am Rande der Nilschlucht

"Do I see you after?" und Buspannen


Selam aus Bahir Dar am Tanasee.

Gestern schon haben wir die Reise in den Sueden zum Tanasee gewagt, 180 km an Distanz und gezaehlte  fuenfeinhalb abgesessene Stunden im local bus. Da konnten uns Palmen-Alleen und die Promenade den Strand entlang nur mehr kurzfristig munter machen, nach unserem obligaten Indscheera (Hirse-Sauerteigflade mit allem moeglichen dazu, bisher unser taeglich Brot, auf das wir uns schon nach dem Obst-Fruehstueck zu freuen beginnen) waren wir fix und fertig.

 

 

Unsere gestrige Bus-Odyssee hielt uns nicht davon ab, heute nochmals einen localbus zu besteigen um uns die 35 km entfernten Nilfaelle (wir befinden uns hier an der Quelle des blauen Nils) anzusehen. Nach einer halben Stunde Fahrt: Achsenbruch. Was eine Stunde Stehzeit in der groessten Hitze bedeutete. Bis wir es endlich mithilfe eines anderen Busses an unsere Ziel geschafft hatten, war es Mittag. Photofanaten wissen, was das bedeutet. (Ich mache uebrigens entgegen meinem mir vorauseilenden boesen Ruf sehr viele Photos!)

 

 

Muehsam wird mit der Zeit, hier staendig und von jedem (Mann!!!) angequatscht zu werden. "Hello. - How are you? - Where you from? - First time in Ityopya? - How d'you like it?" ist da der noch harmlose Anfang, meistens haengen sich die Jungs an uns dran und man wird sie nicht mehr los. Nicht dass hier jemand stehlen oder zudringlich wuerde. Aber es ist einfach furchtbar anstrengend.

Manchmal kann auch ein kurzer Blickkontakt zur Aufforderung fuer ein "Do see you after?" ausreichend sein. Ich frage mich schon, woher diese Haltung kommt...

 

Wir haben uns entschlossen noch einen Tag hier an der Cote d'Azur Aethiopiens zu bleiben, die Klosterinseln am See zu erkunden und uns dann am Samstag in einer um 3 Uhr morgens beginnenden FAhrt in einen (hoffentlich fahrtuechtigen) Minibus Richtung Addis zu schmeissen...

 

Kuesschen an Dschami und die anderen drei!!! 

Kossoye


Heute vertrauten wir uns der lokalen Guide-Szene an, namentlich Peter der uns schon gestern einen Tourenvorschlag gemacht hatte. Eine einstuendige Fahrt wuerde uns in die Naehe des Dorfes Kossoje fuehren, wo wir auf einem Hochplateau zwei Stunden wandern gehen wuerden.

Als wir morgens aber abgeholt wurden, hatte Peter seinen kleinen Bruder Djut mitgebracht, der  (Peter hatte "some business") die Rolle des Fuehrers uebernehmen sollte, ausserdem einen Fahrer.

Djut ist ein 11jaehriger Junge, vom Gehabe her allerdings ein ausgebuffter Experte wenn es darum geht, TouristInnen um den Finger zu wickeln. Schule? An SEINER Schule sind gerade Ferien...

Die Fahrt fuehrte durch eine schoene Gegend, die Endstation lag am Rande eines Plateaus, mit herrlichem Ausblick in Richtung Simien Mountains. Um uns allso endlose Weiten. - Und die ganze Wanderung lang ein Rattenschwanz von 10 Kindern, die so neugierig waren, dass sie am liebsten unter unsere Achseln und in unsere Taschen gekrochen waeren.




Unser anfangs so eloquenter und versierter fruehreifer Guide verlor aber zunehmend an Eloquenz und ueberaupt an Laune, nachdem wir ihm seinen Wunsch, ihm eine Zigarette zu wuzeln, abschlugen, einige Male ein kurzes Stueck auf eigenen Pfaden wanderten und ueberhaupt: ihn nicht ganz so in seiner maskulinen Einheimischen Guide-Rolle akzeptierten, wie er sich das vorstellte.

Wir waren schliesslich trotz der wunderschoenen Tour froh, uns von ihm verabschieden zu koennen und erlebten ihn schliesslich als das, was er ja eigentlich war: ein kleiner, mueder Junge.

 

Diese Erfahrung zeigt deutlich, wie schnell die Kinder hier in Erwachsenenrollen gedraengt werden, von den Familien, von der Armut. Eigentlich waere es an uns gelegen, ein Kind als Fuehrer gar nicht erst zu akzeptieren und ihn in die Schule zu schicken. Aber das wurde uns erst spaeter so richtig klar.

 

Heute abend muessen wir erst mal unseren Hitzestau auskurieren und werden die Plaene fuer die nachsten Tage schmieden. Die Lust auf die Local Guides ist uns vorerst vergangen und da wir hier in Gondar schon nach zwei Tagen auf der Strasse bekannt wie bunte Hunde sind, ist ein Ortswechsel auch ganz angenehm. 

 

 

 

"Welcome to Utopia" ...


... so werden wir hier in Gondar von den Kinderscharen, die uns begleiten, begruesst. Sie meinen vermutlich "Ityopia", aber utopisch kommt in vielerlei Hinsicht schon hin.

Fast utopisch erscheint uns die Landschaft ringsum, saftig gruene Ackerbauterrassen, liebliche Huegel und angenehme Temperaturen, dazu noch wirklich eine unglaubliche Gastfreundschaft und Waerme. Aengstigen braucht man sich hier als TouristIn nicht, jeder stellt sich gerne als Hilfe zur verfuegung und die Menschen hier sind Talente, wenn es darum geht, fuer TouristInnen etwas zu organisieren. Wuensch dir Helicopter Skiing und sie werden alles tun, um zumindest annaehernd den Wunsch zu erfuellen - natuerlich fuer ein paar 100 Dollar, aber immerhin!

Utopisch war im Uebrigen auch der Preis, den uns die Ethiopian Airline fuer den Flug hierher verrechnet hat: 110 Euro waeren eigentlich ok, aber nicht, wenn die Schweizer neben uns zur selben Zeit im Nachbarbuero eines um 30 Euro erstehen... Grummel

Also: Aufgepasst, falls jemand hier mal domestic fliegen moechte!!!

 

Wir bereuen es nicht, heute schon nach Gondar gekommen zu sein, weil Addis bei Weitem nicht so nett ist. Addis ist gross, stinkig, als Frau wirst du staendig angemacht und abends haetten wir uns nie auf die Strasse getraut.

Hier ist alles easy und vor unserem Heimflug haben wir ohnehin noch 2,3 Tage in der Hauptstadt. 

Jetzt bleiben wir mal ein bisschen hier und sondieren die Moeglichkeiten... (Tagesausfluege, Simian Mountains, etc.)

 

Werden uns jetzt nach unserer Abenteuerwanderung, die in einem 5-Sternhotel endete (in dem wir nach Ueberklettern eines Stacheldraht-Agaven-Zaunes "unabsichtlich" landeten) ein Bier goennen und unsere Schuhe ausleeren...

Selam aus Gondar!

An der Piazza


 

Was fuer eine Nacht! Wenig Schlaf, aergerliche NachbarInnen und noch aergerlichere FlugbegleiterInnen. Doch der erste Anblick Aethiopiens machte alles wieder wett. In den ersten Sonnenstrahlen begruessten uns saftige gruene Felder, kleine Doerfer und eine liebliche huegelige Landschaft. Von Ueberschwemmungen bisher keine Spur. Auch die Menschen, die wir danach fragten wissen scheinbar von nichts.

Dafuer begruessten uns schon am Flughafen die meisten mit einem freundlichen Laecheln, ein wahrhaft herzliches Willkommen. Nach einer Taxifahrt (Flughafen - Hotel: 50 Birr) haben wir im Taitu-Hotel wie geplant eingecheckt, obwohl sie sich an unsere Vorreservierung wohl nicht mehr erinnern konnten. Und jetzt haben wir ein kleines schimmeliges Kaemmerchen, immerhin aber mit eigenem Bad.

 

Wir haben den Tag heute sehr gemuetlich eingeteilt, auch ein Stuendchen geschlafen - aber vor allem excellent gespeist, natuerlich das obligatorische Ndscheera mit Kirchererbsenmus, HOT!!! Dazu ein noch excellenteres Bier und auch der Kaffee hier uebertrifft unsere ohnehin sehr hohen Erwartungen an die Wiege des Kaffees.

Und weil hier alles so glatt geht und wir grad so gut drauf sind, geht es morgen schon weiter: Mit Ethiopian Airlines werden wir um 6.30 nach Gondar fliegen, die alte Hauptstadt des Landes, nicht weit vom Tana-See und dem Naturpark Simian Mountains. Der Plan ist, nach einigen Ausfluegen im Norden binnen der naechsten Woche ueber Bahir Dar mit dem Bus wieder nach Addis zurueckzukehren und eventuell den Sueden in Angriff zu nehmen.

 

Die Menschen sind hier alle sehr entgegenkommend und freundlich - die Frage ist nur, welchen Anteil daran die Tatsache ausmacht, dass hier zwei Frauen alleine unterwegs sind. Viele unterhalten sich auf eine angenehme Art mit uns, aber auch "Sweety", "Darling" und "I like your hips" werden einer da nachgerufen - das finden wir nicht so freundlich... heute. Und ich bin sicher, dass das in einigen Tagen sehr nerven wird.

 

Abgesehen von dem essentiellen Sweety-Vokabular schaffen es doch ueberraschend viele Menschen hier, sich auf Englisch auch ueber andere Sachen zu unterhalten. Ausgehen kann man davon allerdings nicht. Und in den laendlichen Gegenden wird es sicher nicht einfacher...

  

20 Grad, leicht bewölkt


Eine gute Ansage.
Wir hoffen, dass die Monsunregenfälle nun wirklich endgültig abgeklungen sind und wir den eingepackten Knirps nicht brauchen werden. Samstag Abend geht's los: Wien - Istanbul, Istanbul - Addis Abeba. Mit dem Taxi ins Hotel, Gepäck abladen und gemütlich frühstücken und einen  Macchiato (mittlerweile typisch für Äthiopien!) auf der Piazza genießen -
so stell ich mir das zumindest vor.

                          Und los geht die Reise. In den äthiopischen Frühling.


A hard rain's a-gonna fall


Denn: Kein Ende in Sicht, was die Regenfälle angeht. Ganze afrikanische Landstriche von Senegal bis Äthiopien versinken in den Fluten, die UNO geht bereits von 1,5 Millionen Flutopfern aus. Wenn auch unser Reiseziel nicht zu den am meisten betroffenen Ländern zählt (oder möchte nur ich das so sehen?), so sagen die Meterologen voraus, dass die Niederschläge andauern werden und sogar an Intensität zunehmen.
Aber... wie soll man da das eigene Dilemma, was die herbeigesehnte Reise angeht, wagen auch nur auszusprechen angesichts der Situation Millionen wirklich und langfristig betroffener Menschen. Man kann sich nicht ernsthaft selbst bemitleiden.

Hotel, sweet hotel


Endlich! Nach zwei Wochen Wartezeit eine Reservierungsbestätigung von unserem auserwählten Hotel: dem Itegue Taitu Hotel im Stadtteil Piazza (der Name ist offensichtlich ein Relikt der italienischen Kolonialzeit - obwohl Äthiopien nach eigenem Verständnis nie kolonialisiert war) in Addis Abeba.
Die Reservierungsbestätigung des Hotels dient nicht etwa der Befriedigung unseres eigenen Sicherheitsbedürfnisses, sondern ist vielmehr Voraussetzung für das Ausstellen eines Visums bei der Äthiopischen Botschaft in Wien. (Zuversichtlich, dass die Reservierungsbestätigung niemals eintreffen würde, musste ich an ihrer statt ein Dokument aufsetzen in dem ich selbst die volle Verantwortung für unsere erste Unterkunft übernahm... )

Allerdings, jetzt wo wir das Hotel kennen (Dank an Michl&friends für diese Empfehlung!!!), ist es doch nicht schlecht zu wissen, wo wir die ersten Tage (für 12 € das Doppelzimmer) bleiben:

Interessante Aussichten...


...präsentieren sich nicht ganz drei Wochen vor Abflug. Die mitteleuropäischen Medien berichten über das in Fluten versinkende Afrika (die Regenfälle übertreffen jene der üblichen Regenzeit bei Weitem) - in Äthiopien ist von einer halben Million Betroffener die Rede, davon sollen die Hälfte bereits obdachlos sein und nach Möglichkeit in sichere Gebiete fliehen. Schwer, sich - in Unkenntnis der Gegebenheiten vor Ort - das Ausmaß und die momentane Situation in Äthiopien (oder allein in Addis) vorzustellen.

Interessant ist es allerdings, die Äthiopischen Medien (East African, Addis Fortune, Daily Monitor...)  auf Berichte zu den Überschwemmungen hin zu durchforsten. Da findet man nämlich keinen einzigen Artikel zu diesen Ereignissen. Hier geht's zum Überblick über die Medien.



Konkrete Auswirkungen auf unser Reiseplanung haben Bilder wie dieses vorerst nicht. Das Centrum für Reisemedizin (CRM, Düsseldorf) empfiehlt jedoch sich jedenfalls ausreichend zu impfen und die Reiseapotheke aufzustocken, da es unter gegebenen Umständen zu erhöhter Infektionsgefahr kommen kann.

Kleines Äthiopien-Lexikon


A wie Addis Abeba

Addis Abeba (auch Addis Ababa) ist die Hauptstadt von Äthiopien. Addis Abeba hat eine Fläche von etwa 530 km²und ungefähr 3,5 Millionen Einwohner (nach der Volkszählung 1995 hattedie Stadt 2.209.000 Einwohner, inzwischen ist die Bevölkerung wegenFlüchtlingsströmen aus den ländlichen Gegenden allerdings starkangewachsen). Die Stadt liegt zwischen 2.200 und 3.000 Metern Höhe amFuße des Mount Etoto und ist damit die dritthöchstgelegene Hauptstadt der Welt.
Addis Abeba ist Sitz der UNECA und der Afrikanischen Union.

 

Ä wie Äthiopien

Äthiopien (amharisch Ityop'ya) – zeitweise im Ausland auch als Abessinien bekannt (eigentlich ein kulturgeographischer Begriff, der nur das Hochland bezeichnet) – ist ein Staat im Osten Afrikas. Er grenzt an Eritrea, den Sudan, Kenia, Somalia und Dschibuti.
Äthiopien umfasst eine Fläche von 1.127.127 km² (fast 15 Mal so viel wie Österreich) und hat 77 Millionen EinwohnerInnen. Das BIP pro Kopf beträgt 116 Dollar (in Österreich: 37.117 Dollar). Die äthiopische Währung sind Birr (100 Birr = 8 Euro).

E wie "Entwicklungsland"


Obwohl Äthiopien heute mit rund 100 US$ Pro-Kopf-Einkommen zu denärmsten Ländern der Welt zählt - 45 % der Bevölkerung leben unter dernationalen Armutsgrenze- hätte es aufgrund der natürlichenVoraussetzungen gute Bedingungen für eine diversifizierte Entwicklung.Die Verwirklichung einer modernen Gesellschafts- undWirtschaftsstruktur leidet jedoch an den strukturellen Brüchen einerJahrhunderte langen Feudalherrschaft und dem gescheitertensozialistischen Experiment der 70er und 80er Jahre. Der UNDP-Index dermenschlichen Entwicklung liegt bei 0,359. Äthiopien liegt damit auf dem170. von 177 Plätzen.

G wie Geographie

Aufgrund der natürlichen Vorraussetzungen weist Äthiopien eineeinzigartige Vielfalt an landschaftlichen Formen auf: tropischesTiefland, gemäßigte Mittellagen zwischen 1.000 und 2.500 m, kühleWeideflächen im Hochgebirge (Ras Dashen mit 4620 m), extrem arideSteppenlandschaften im Osten und Salzseen im NO. Es zählt zu den siebenRegionen der Welt mit der größten Bio-Diversität. Fast 65 % derLandfläche sind landwirtschaftlich nutzbar, allerdings liegen weiteGebiete brach, andere sind dafür zu dicht besiedelt.



Gr wie Grenzkonflikte

Äthiopien ist in zwei bilaterale Konflikte mit Nachbarstaatenverwickelt. Zum einen gibt es mit Eritrea Uneinigkeiten über denGrenzverlauf im Nordwesten der Provinz Tigray, die 1998 zum Eritrea-Äthiopien-Krieg geführt haben. Zum anderen kam es immer wieder zu Konflikten mit Somalia, da somalische Nationalisten die Somali-Region im Osten Äthiopiens an ein Groß-Somalia angliedern möchten. Auch die Union islamischer Gerichte,die Mitte 2006 die Kontrolle über große Teile Somalias errang,verfolgte dieses Ziel. Weil Äthiopien die Einnahme seines Ostens unddie islamistische Vereinnahmung seiner eigenen muslimischen Bevölkerungfürchtete, erklärte es der Union am 24. Dezember 2006 offiziell denKrieg. Seither sind äthiopische Truppen in Somalia stationiert undhaben gemeinsam mit der Übergangsregierung Somalias die Union islamischer Gerichte zurückgedrängt.

K
wie Klima


Die klimatischen Unterschiede innerhalb von Äthiopien sind in ersterLinie durch die Höhe bedingt (heiß in den Tiefebenen, relativ kühl imHochland). Man kann drei Klimazonen unterscheiden: die tropisch-heißen Gebietebis 1.800 m, die warm-gemäßigte Zone von 1.800 bis 2.500 m sowie diekühle Zone über 2.500 m. In der Hauptstadt Addis Abeba, die auf ca.2.400 m Höhe liegt, liegt die durchschnittliche Tagestemperatur mittagszwischen 8 und 24 °C.

Die Hauptregenzeit ist zwischen Mitte Juni undSeptember, eine kleine Regenzeit gibt es zwischen Februar und März. Unsere Reise fällt also in die Zeit nach dem großen Regen, was mit dem botanischen Frühling gleichzusetzen ist.


L wie interessante und wichtige Links

Politische Situation Äthiopiens
Äthiopien feiert neues Jahrtausend am 11.9.2007

M wie Menschen

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat. Die Bevölkerung setzt sich ausungefähr 80 ethnischen Gruppen zusammen, die zwischen mehrerenMillionen und nur wenigen Hundert Menschen umfassen können. Obwohlgeographisch dem südlich der Sahara gelegenen Afrika zugerechnet, istdas Land in seiner historischen und kulturellen Entwicklung stark vonEinflüssen aus dem Nahen Osten geprägt.
Im 20. Jahrhundert galten die Amharen als Staatsvolk. Obwohl sie nur zwischen 20 und 30 % der Bevölkerung stellen, hat sich Amharischals Landessprache durchgesetzt und wird zumindest von derStadtbevölkerung des gesamten Landes im täglichen Umgang benutzt.
Amharen sind zum überwiegenden Teil Anhänger der Äthiopisch-Orthodoxen-Tewahedo-Kirche.Die Hälfte der Bevölkerung ist muslimisch, jedoch wird der Alltag von deräthiopisch orthodoxen Kirche geprägt. Eine kleine Minderheit sindProtestanten und Katholiken, die Minderheit jüdischen Glaubens ist mittlerweile fast komplett nach Israel ausgewandert.
Die zahlenmäßig größte Ethnie bilden die Oromo. Sie stellen über 40 % derBevölkerung Äthiopiens und sind zu einem großen Teil Muslime.



R wie Reisen nach Äthiopien


Reisen hat in Äthiopien eine lange Tradition, daher gibt es überall imLand, egal wie klein der Ort ist, sogenannte Hotels. Deren Standard ist,besonders in abgelegenen Gebieten, gewöhnungsbedürftig. InNordäthiopien ist das klassische Reiseziel das Folgen der Historischen Route.Dort gibt es in jeder Stadt ein Hotel der staatlichen Hotelkette, diewestlichen Standards gerecht wird. Alle Städte werden von der Ethiopian Airlines angeflogen, das (auch für Äthiopier) leistbare öffentliche Verkehrsnetz besteht allerdings v.a. aus Bussen, mit denen man ebenfalls jeden Winkel des Landes erreicht.

W wie Wirtschaft

Der Außenhandel Äthiopiens besteht im wesentlichen aus dem Export von Kaffee. Deutschland ist der größte Importeur von äthiopischem Kaffee. Äthiopien wurde als einem der afrikanischen Länder von dem G8-Treffen im Jahre 2005 ein Großteil seiner Schulden erlassen.


Auf nach Äthiopien...


...und ganz ohne Planung. Wohin es uns verschlägt, das wird sich vor Ort zeigen.

Edith&Edith werden die Zeit von 6. bis 21. Oktober 2007 in Äthiopien verbringen, ausgerüstet mit Rucksack,  Photoapparat,  Lonely Planet und... Geld. Der Rest wird sich vor Ort entscheiden.
Dennoch sind einige Vorbereitungen zu treffen:
Ein Single-Entry-Visum kostet  17 Euro (nicht mehr  62 Euro) und ist drei Monate gütlig. Voraussetzung dafür ist ein gültiger Pass und der Beleg einer Gelbfieberimpfung, zwei ausgefüllte Formulare und zwei Passphotos. Die Botschaft in Österreich besteht auch auf eine Reservierungs-Bestätigung durch die erste Unterkunft.
  • Impfungen: Diphterie, Tetanus, Polio, Hepathitis A+B, Meningokokken Meningitis, Gelbfieber. Eine Malaria Prophylaxe ist empfehlenswert.




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